Sportvorhersagen
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48 Nationen, ein Ziel — was diese WM so unberechenbar macht
Als die FIFA 2017 beschloss, das WM-Teilnehmerfeld von 32 auf 48 Teams zu erweitern, haben viele Kommentatoren eine Verwässerung des Turniers prophezeit. Zu viele schwache Teams, zu viele einseitige Spiele, zu wenig Qualität. Ich habe damals eine andere These vertreten — und die Qualifikation zur WM 2026 hat sie bestätigt: Mehr Teams bedeuten nicht weniger Qualität. Sie bedeuten mehr Chaos. Und Chaos ist der natürliche Feind der Buchmacher und der beste Freund des informierten Wetters.
Das neue Format bringt 16 zusätzliche Mannschaften auf die grösste Bühne des Weltfussballs. Darunter sind Teams, die zum ersten Mal in ihrer Geschichte an einer WM teilnehmen — Curaçao, Kap Verde, Jordanien, Haiti. Teams, deren Spielsysteme, Schlüsselspieler und taktische Eigenheiten selbst eingefleischte Fussballfans kaum kennen. Die Quotenmodelle der Buchmacher stützen sich auf FIFA-Rankings, historische Turnierergebnisse und Ligadaten der Spieler. Aber was geschieht, wenn ein Drittel der Teilnehmer keine relevante Turnierhistorie mitbringt? Die Modelle werden unsicherer — und unsichere Modelle produzieren Quoten, die von der Realität abweichen.
Gleichzeitig ist die Spitze des Weltfussballs so dicht besetzt wie selten zuvor. Argentinien als Titelverteidiger, Spanien als amtierender Europameister, Frankreich mit einem Kader, der in der Breite jeden anderen übertrifft, England mit einer Generation, die seit Jahren auf den Durchbruch wartet, Brasilien auf der Suche nach dem sechsten Stern — die Liste der ernsthaften Titelanwärter umfasst mindestens acht Mannschaften. Bei der WM 2022 waren es höchstens fünf. Diese Konzentration an der Spitze erzeugt einen Effekt, den ich in meinen Analysen als „Favoritenstauchung“ bezeichne: Die Quoten der Top-Teams rücken enger zusammen, weil die Wahrscheinlichkeit, dass ein einzelnes Team das Turnier dominiert, kleiner wird.
Für Sportwetter eröffnet das zwei strategische Ebenen. Die erste: In der Gruppenphase werden die Spiele zwischen einem Favoriten und einem Debütanten tendenziell einseitig ausfallen, was Handicap- und Über/Unter-Wetten begünstigt. Die zweite: Ab dem Achtelfinale — wenn die Debütanten in der Regel ausgeschieden sind — werden die Partien enger, unberechenbarer und damit wertvoller für Einzelwetten auf Aussenseiter. Wer beide Phasen mit der richtigen Wettart bedient, hat einen strukturellen Vorteil gegenüber dem Pauschalbetrachter.
Dieser Überblick über alle 48 WM-Teams 2026 ist keine Enzyklopädie. Es ist ein Werkzeug. Jede Mannschaft wird nach drei Kriterien bewertet: aktuelle Form und Kaderstärke, Turniereignung basierend auf historischer Performance und spezifische Wettchancen, die sich aus Gruppenkonstellation und Quotenstruktur ergeben. Ich habe in den letzten Monaten jeden einzelnen Qualifikationszyklus verfolgt — von der UEFA über die CONMEBOL bis zur OFC — und die Daten in ein Bewertungssystem eingespeist, das mir seit der WM 2018 als Grundlage dient. Beginnen wir mit den Teams, die das grösste Gewicht auf der Waage tragen.
Die Favoriten: Wer hat wirklich das Zeug zum Titel?
Ich erinnere mich an ein Gespräch vor der WM 2014. Ein Kollege fragte mich, wer Weltmeister wird. Ich sagte: „Brasilien als Gastgeber oder Argentinien mit Messi.“ Deutschland gewann. Seitdem habe ich gelernt, dass die Frage „Wer wird Weltmeister?“ die falsche Frage ist. Die richtige lautet: Welche Teams haben eine realistische Wahrscheinlichkeit, das Turnier zu gewinnen — und stimmt diese Wahrscheinlichkeit mit den Quoten überein?
Argentinien: Die Last des Titelverteidigers
Argentinien reist als amtierender Weltmeister nach Nordamerika, aber die Mannschaft von 2026 ist nicht die gleiche, die in Katar den Titel holte. Lionel Messi wird zum Zeitpunkt der WM 38 Jahre alt sein. Seine Rolle hat sich vom alleinigen Spielgestalter zum taktischen Fixpunkt gewandelt, der weniger läuft, aber immer noch Räume öffnet, die sonst niemand sieht. Die entscheidende Frage ist nicht, ob Messi spielt, sondern ob Argentinien ohne seine Dominanz in Schlüsselmomenten bestehen kann. Julián Álvarez hat sich bei Manchester City zum Weltklassestürmer entwickelt, Enzo Fernández kontrolliert das Mittelfeld, und die Defensive um Cristian Romero ist eine der solidesten im Weltfussball. Die Gruppe J mit Algerien, Österreich und Jordanien ist machbar, aber nicht trivial. Argentiniens Titelquoten liegen typischerweise zwischen 6.00 und 7.50 — ein Wert, der die reale Wahrscheinlichkeit von etwa 12 bis 15 Prozent fair abbildet.
Frankreich: Die Maschine mit dem Luxusproblem
Kein Land der Welt hat einen breiteren Kader als Frankreich. Kylian Mbappé, Aurélien Tchouaméni, Eduardo Camavinga, William Saliba — die Liste der Weltklassespieler, die es möglicherweise nicht einmal in die Startelf schaffen, ist länger als der Kader mancher Teilnehmer. Genau hier liegt das Problem, das ich als „Luxusproblem“ bezeichne: Zu viele Stars erzeugen Hierarchiekonflikte, taktische Kompromisse und eine Erwartungshaltung, die bei der ersten Niederlage zur Belastung wird. Frankreich stand bei den letzten vier Grossturnieren dreimal im Finale. Die Quote auf den Titelgewinn liegt bei den meisten Anbietern zwischen 5.00 und 6.50. Meine Einschätzung: leicht überbewertet. Die Gruppe I mit Senegal, Irak und Norwegen bietet keinen ernsthaften Widerstand, aber die K.o.-Runde in einem Turnier mit 48 Teams verlangt ein zusätzliches Spiel — und ein zusätzliches Spiel bedeutet ein zusätzliches Risiko für den Favoriten.
Spanien: Der Europameister mit dem jüngsten Kern
Spanien hat bei der EM 2024 bewiesen, dass die nächste Generation bereit ist. Lamine Yamal, zum Zeitpunkt der WM 18 Jahre alt, spielt mit einer Reife, die an den jungen Messi erinnert. Pedri, Gavi — sofern fit —, Rodri und Dani Olmo bilden ein Mittelfeld, das Ballbesitz nicht nur als Selbstzweck betreibt, sondern als Waffe. Der entscheidende Faktor für Spanien ist die Verletzungsanfälligkeit der Schlüsselspieler: Pedri hat in den letzten drei Jahren mehr Zeit im Behandlungsraum als auf dem Platz verbracht. Wenn der Kern fit bleibt, ist Spanien mein persönlicher Titelfavorit. Die Quoten zwischen 7.00 und 9.00 bieten in meinen Augen Value — der Markt unterschätzt, wie dominant diese Mannschaft in Turnierformat spielen kann.
Brasilien: Sehnsucht gegen Substanz
Die Seleção kommt nach einer der schwierigsten Südamerika-Qualifikationen der Geschichte zur WM. Trainerwechsel, taktische Identitätskrisen und die Last, seit 2002 keinen Titel mehr gewonnen zu haben, begleiten das Team. Vinícius Júnior ist der Angreifer mit der höchsten individuellen Klasse im gesamten Turnier, aber Brasilien ist mehr als ein Einzelspieler. Die Frage lautet, ob die Mannschaft unter ihrem aktuellen Trainer eine kohärente Spielidee entwickelt hat oder ob sie sich auf individuelle Brillanz verlässt. Die Gruppe C mit Marokko, Haiti und Schottland ist kein Selbstläufer — Marokko hat bei der WM 2022 bewiesen, dass afrikanische Mannschaften auf höchstem Niveau konkurrieren können. Brasiliens Titelquoten schwanken stark, meistens zwischen 8.00 und 11.00. Mein Urteil: interessant als Value Bet, wenn die Quote über 9.50 liegt.
England und Deutschland: Ewige Anwärter
England bringt mit Jude Bellingham, Bukayo Saka und Phil Foden eine Offensivreihe, die zu den besten der Welt zählt. Die Three Lions standen bei der EM 2024 im Finale, verloren aber — wie so oft — im entscheidenden Moment. Die Gruppe L mit Kroatien, Ghana und Panama ist eine der anspruchsvollsten im Turnier. England muss schon in der Vorrunde Substanz zeigen, was Kraft kosten wird. Quoten zwischen 8.00 und 10.00 sind fair, aber nicht bemerkenswert.
Deutschland reist als Gastgeber der EM 2024 mit einem Aufwind nach Nordamerika, der nach Jahren der Mittelmässigkeit überraschend kam. Julian Nagelsmann hat dem DFB-Team eine taktische Identität gegeben, die auf Pressing, schnellem Umschaltspiel und der individuellen Klasse von Jamal Musiala und Florian Wirtz basiert. Die Gruppe E mit Curaçao, Elfenbeinküste und Ecuador ist auf dem Papier die leichteste Aufgabe aller Favoriten. Ob Deutschland die Substanz hat, ein Turnier über sieben Spiele zu gewinnen, bleibt die offene Frage. Quoten zwischen 10.00 und 13.00 machen das DFB-Team zu einer interessanten Turnierwette — nicht als Weltmeister-Tipp, sondern als „mindestens Viertelfinale“-Wette, die bei manchen Anbietern deutlich attraktiver bepreist ist.

Geheimtipps: Vier Teams, die alle unterschätzen
Der beste Tipp, den ich je bei einer WM platziert habe, war eine 10-CHF-Wette auf Kroatien ins Halbfinale 2018 — zu einer Quote von 11.00. Kroatien war damals kein absoluter Aussenseiter, aber der Markt hatte die Mannschaft um Modrić und Rakitić systematisch unterbewertet. Die Rendite von 100 CHF war schön. Die Lektion war wertvoller: Geheimtipps sind keine Zufallstreffer. Sie sind das Ergebnis einer Analyse, die Faktoren berücksichtigt, die der breite Markt ignoriert.
Marokko: Kein Eintagsfliege
Die Atlas-Löwen haben bei der WM 2022 Geschichte geschrieben — Halbfinale als erstes afrikanisches Team in der Geschichte des Turniers. Viele haben das als einmaligen Ausreisser abgetan, befeuert durch die Heim-WM-Atmosphäre in Katar mit seiner grossen marokkanischen Diaspora. Ich sehe das anders. Marokko hat eine der besten Defensiven der Welt, aufgebaut auf Spielern aus den europäischen Topligen — Achraf Hakimi, Nayef Aguerd, Sofyan Amrabat. Der Kader hat sich seit 2022 nicht geschwächt, sondern weiterentwickelt. In Gruppe C treffen sie auf Brasilien, Haiti und Schottland. Ein zweiter Platz hinter Brasilien ist realistisch, und in der K.o.-Runde hat Marokko 2022 bewiesen, dass es gegen jeden Gegner bestehen kann. Die Quoten auf ein erneutes Viertelfinal-Erreichen liegen teilweise über 5.00 — in meinen Augen ein klarer Value.
Türkei: Der schlafende Riese erwacht
Die Türkei hat bei der EM 2024 im Viertelfinale gegen die Niederlande verloren, aber dabei eine Qualität gezeigt, die den meisten Beobachtern entgangen ist. Arda Güler, das Juwel von Real Madrid, verbindet technische Brillanz mit einer taktischen Intelligenz, die über sein Alter hinausgeht. Hakan Çalhanoğlu dirigiert das Mittelfeld mit der Präzision, die er bei Inter Mailand gelernt hat. In Gruppe D treffen sie auf USA, Paraguay und Australien — eine Konstellation, in der ein Weiterkommen als Zweiter hinter dem Gastgeber absolut realistisch ist. Die Türkei-Quoten auf ein Achtelfinale liegen bei vielen Anbietern über 3.00, was eine implizite Wahrscheinlichkeit von unter 33% bedeutet. Meine Einschätzung: über 45%. Das ist eine Diskrepanz, die man nutzen sollte.
Kolumbien: Südamerikas unterschätzter Dritter
Während alle Welt auf Argentinien und Brasilien schaut, hat Kolumbien in der Südamerika-Qualifikation leise und konstant gepunktet. Die Mannschaft unter Néstor Lorenzo spielt einen strukturierten, disziplinierten Fussball, der sich fundamental von der individualitätsgetriebenen Spielweise früherer kolumbianischer Teams unterscheidet. Luis Díaz von Liverpool ist der kreative Taktgeber, aber die wahre Stärke liegt in der kollektiven Defensive, die in der Qualifikation die zweitwenigsten Gegentore aller südamerikanischen Teams kassiert hat. Gruppe K mit Portugal, DR Kongo und Usbekistan ist anspruchsvoll, aber Kolumbien hat die Qualität, Portugal den Gruppensieg streitig zu machen.
Senegal: Afrikas Topfavorit nach dem Generationswechsel
Senegal hat nach dem Abschied von Sadio Mané aus dem Nationalteam einen Generationswechsel vollzogen, der reibungsloser verlaufen ist als erwartet. Die neue Generation um Ismaïla Sarr und Nicolas Jackson verfügt über die Geschwindigkeit und Physis, die bei einer WM in Nordamerika — mit den klimatischen Bedingungen und den grossen Stadien — zum Vorteil wird. In Gruppe I trifft Senegal auf Frankreich, Irak und Norwegen. Der Kampf um Platz zwei hinter Frankreich wird zwischen Senegal und Norwegen entschieden, und ich sehe die Westafrikaner in diesem Duell klar im Vorteil. Quoten auf ein Senegal-Weiterkommen über 3.50 sind in meinen Augen unterbewertet.
Die Nati, Österreich, Deutschland — unsere Teams im Insider-Check
Drei deutschsprachige Teams bei einer WM — das gab es zuletzt 2006 in Deutschland, als die Schweiz, Österreich und das Gastgeberland gemeinsam auf der Bühne standen. Für Fussballfans in Liechtenstein hat diese Konstellation eine besondere Bedeutung: Die Nati ist unsere Mannschaft, Österreich unser Nachbar, Deutschland der grosse Bruder. Jedes dieser drei Teams hat eine eigene Geschichte bei dieser WM — und jedes bietet unterschiedliche Wettchancen.
Die Nati: Mehr als ein Gruppenkandidat
Murat Yakins Schweiz hat sich in den letzten zwei Jahren von einer soliden, aber unspektakulären Mannschaft zu einem echten Turnierkandidaten entwickelt. Die Qualifikation wurde souverän gemeistert: Platz eins in der UEFA-Gruppe, vier Siege aus sechs Spielen, eine Defensive, die in der gesamten Qualifikation nur vier Tore kassiert hat. Das ist kein Zufall — es ist das Ergebnis eines taktischen Systems, das auf Stabilität, kontrolliertem Pressing und der individuellen Klasse von Schlüsselspielern aufgebaut ist.
Granit Xhaka hat seine Karriere bei Sunderland auf ein neues Level gehoben und bringt diese taktische Reife in die Nationalmannschaft ein. Manuel Akanji gibt der Abwehr die Ruhe und Passqualität, die ein modernes Aufbauspiel erfordert. Dan Ndoye hat sich als dynamischer Flügelspieler etabliert, der gegen tiefstehende Gegner den Unterschied machen kann. Die grosse Frage für die WM ist die Sturmposition: Wer erzielt die Tore, wenn es gegen Kanada oder in der K.o.-Runde gegen einen Top-Favoriten geht?
Gruppe B mit Kanada, Bosnien und Herzegowina und Katar ist auf dem Papier machbar. Katar ist seit der Heim-WM 2022 deutlich schwächer geworden und hat in der asiatischen Qualifikation nur knapp den Sprung geschafft. Bosnien bringt individuelle Qualität mit, aber keine Turniererfahrung auf diesem Niveau. Kanada als Co-Gastgeber wird vom Publikum getragen, hat aber in der Breite nicht die Substanz der Nati. Meine Prognose: Die Schweiz wird die Gruppe als Erste oder Zweite überstehen, und die Quoten auf ein Achtelfinale — die bei manchen Anbietern noch über 1.70 liegen — unterschätzen diese Wahrscheinlichkeit deutlich. Die detaillierte Analyse finden Sie auf der Nati-Seite.
Österreich: Das härteste Los im Turnier
Wenn ein Fussballgott schwarzen Humor hätte, hätte er sich die Gruppe J nicht besser ausdenken können: Argentinien, Algerien, Österreich und Jordanien. Das ÖFB-Team trifft im zweiten Gruppenspiel auf den Titelverteidiger — in Arlington, Texas, vor einem Publikum, das mehrheitlich argentinisch sein wird. Ralf Rangnick hat Österreich bei der EM 2024 einen Stil gegeben, der auf aggressivem Gegenpressing und schnellem Umschaltspiel basiert. Genau dieses System könnte gegen Argentinien funktionieren, wenn — und das ist ein grosses Wenn — die Mannschaft die Intensität über 90 Minuten halten kann.
Marcel Sabitzer, Konrad Laimer und Christoph Baumgartner bilden ein Mittelfeld, das in der Bundesliga und der Champions League Erfahrung gesammelt hat. Die Defensive um David Alaba — sofern er nach seiner Knieverletzung fit ist — hat die Qualität, gegen jeden Gegner zu bestehen. Das Problem ist die offensive Durchschlagskraft: Österreich erzielt zu wenige Tore aus dem Spiel heraus und ist bei Standards überproportional erfolgreich, was in einem WM-Turnier mit variablen Schiedsrichterstandards ein Risiko darstellt.
Die Quoten auf ein österreichisches Weiterkommen aus Gruppe J liegen bei den meisten Anbietern über 2.50. Das entspricht einer impliziten Wahrscheinlichkeit von unter 40%. Meine Einschätzung liegt bei rund 45% — ein moderater Value, der die Wette interessant, aber nicht zwingend macht. Der Schlüssel liegt im Spiel gegen Jordanien am ersten Spieltag: Ein Sieg dort ist Pflicht, um im Duell gegen Argentinien mit Selbstvertrauen und taktischer Freiheit antreten zu können.
Deutschland: Zwischen Euphorie und Realismus
Die EM 2024 im eigenen Land hat Deutschland ein neues Selbstvertrauen gegeben, das nach den Debakel-Turnieren 2018 und 2022 dringend nötig war. Julian Nagelsmann hat taktische Klarheit geschaffen, und mit Jamal Musiala besitzt das DFB-Team einen Spieler, der im Eins-gegen-eins und im Kombinationsspiel zu den besten der Welt gehört. Florian Wirtz ergänzt ihn als kreativer Partner, der aus der zweiten Reihe tödlich zuschlagen kann.
Die Gruppe E mit Curaçao, Elfenbeinküste und Ecuador bietet Deutschland die Gelegenheit, sich ohne übermässigen Kraftaufwand für die K.o.-Runde zu qualifizieren. Curaçao ist der kleinste WM-Teilnehmer nach Einwohnerzahl und wird gegen Deutschland chancenlos sein. Die Elfenbeinküste und Ecuador sind ernstzunehmende Gegner, aber keine, die das DFB-Team vor unlösbare Aufgaben stellen. Die spannende Frage beginnt im Achtelfinale: Wenn Deutschland als Gruppensieger durchgeht, trifft die Mannschaft voraussichtlich auf einen Gruppenzweiten oder -dritten aus einer schwierigeren Gruppe — und dort wird sich zeigen, ob die Substanz über das Ergebnis einer Heim-EM hinausreicht.
Debütanten und Exoten: Was von den Neulingen zu erwarten ist
Jede WM hat ihre Cinderella-Story. 2002 war es Senegal, das Frankreich im Eröffnungsspiel besiegte. 2014 Costa Rica, das Italien und England aus der Gruppe warf. 2022 Marokko mit dem Halbfinale. Bei der WM 2026 kandidieren gleich mehrere Teams für diese Rolle — weil das erweiterte Teilnehmerfeld Mannschaften auf die Bühne bringt, über die selbst Experten wenig wissen.
Curaçao: 170 000 Einwohner auf der grössten Bühne
Die Karibikinsel mit einer Bevölkerung, die kleiner ist als die von Winterthur, hat sich über die CONCACAF-Qualifikation für die WM qualifiziert. Der Kader besteht mehrheitlich aus Spielern, die in den Niederlanden und Belgien in der zweiten oder dritten Liga aktiv sind — ein Erbe der historischen Verbindung zu den Niederlanden. In Gruppe E trifft Curaçao auf Deutschland, Elfenbeinküste und Ecuador. Ein Punktgewinn wäre eine Sensation, ein Sieg ein Wunder. Für Wetter sind Curaçao-Spiele vor allem als Handicap-Gelegenheit interessant: Die Frage ist nicht ob, sondern wie deutlich die Niederlagen ausfallen.
Kap Verde: Das afrikanische Märchen
Kap Verde ist mit einer Bevölkerung von rund 600 000 Menschen das kleinste afrikanische Land, das je an einer WM teilgenommen hat. Die Mannschaft hat sich über die afrikanische Qualifikation durchgesetzt und bringt eine disziplinierte, defensive Grundordnung mit, die an Islands WM-Debüt 2018 erinnert. In Gruppe H trifft Kap Verde auf Spanien, Saudi-Arabien und Uruguay — eine brutale Auslosung. Die realistische Erwartung ist ein Ausscheiden in der Gruppenphase, aber das Spiel gegen Saudi-Arabien bietet eine echte Aussenseiter-Chance. Saudi-Arabien ist nach der Heim-WM 2022 in der Form eingebrochen, und Kap Verdes kompakte Defensive könnte gegen die technisch limitierte saudische Offensive bestehen.
Jordanien: Asiens Überraschungsqualifikant
Jordanien hat im Januar 2024 das Finale des Asienpokals erreicht und damit bewiesen, dass die Mannschaft auf kontinentaler Ebene konkurrenzfähig ist. Der Kader mischt Spieler aus der saudischen Liga mit einigen Legionären in Europa. In Gruppe J wartet mit Argentinien, Algerien und Österreich eine Konstellation, in der Jordanien als klarer Aussenseiter gilt. Die Quoten auf ein Weiterkommen liegen über 8.00 — extrem lang, aber nicht völlig unrealistisch. Wenn Jordanien im Eröffnungsspiel gegen Österreich ein Unentschieden erkämpft, verschiebt sich die Gruppendynamik schlagartig.
Haiti: Karibischer Traum in Gruppe C
Haiti kehrt nach 1974 erstmals wieder auf die WM-Bühne zurück — über 50 Jahre nach dem einzigen bisherigen Auftritt. Die Mannschaft hat in der CONCACAF-Qualifikation mit leidenschaftlichem Defensivfussball überrascht und wird in Gruppe C auf Brasilien, Marokko und Schottland treffen. Realistisch betrachtet ist Haiti der schwächste Teilnehmer in dieser Gruppe, aber die emotionale Dimension ist enorm: Für ein Land, das in den letzten Jahren von Naturkatastrophen und politischer Instabilität gezeichnet war, ist die WM-Teilnahme ein seltener Moment des kollektiven Stolzes.
Für Sportwetter gilt bei allen Debütanten eine einfache Regel: Die direkten Ergebnisse sind schwer vorherzusagen, weil die Datenlage dünn ist. Die indirekten Wetten — Über/Unter, Handicap, Erster-Halbzeit-Ergebnis — bieten bessere Chancen, weil sie auf statistischen Mustern basieren, die auch bei unbekannten Teams gelten. Wenn ein Debütant auf einen Top-Favoriten trifft, fallen im historischen Schnitt 3.2 Tore pro Spiel. Das ist ein Datenpunkt, der unabhängig davon gilt, ob der Debütant Curaçao oder Island heisst.

Alle WM-2026-Teams nach Gruppen — Kurzprofile und Einschätzungen
Was folgt, ist ein kompakter Durchgang durch alle zwölf Gruppen mit einer Insider-Bewertung jedes Teilnehmers. Drei Sätze pro Team, ein Urteil, eine Richtung. Wer tiefer einsteigen will, findet die ausführlichen Analysen auf den verlinkten Teamseiten.
Gruppe A: Mexiko, Südkorea, Südafrika, Tschechien
Mexiko tritt vor heimischem Publikum im Estadio Azteca an und hat den Vorteil der Höhenlage in Mexiko-Stadt. Die Mannschaft ist im Umbruch, aber zu Hause schwer zu schlagen. Südkorea bringt mit Son Heung-min einen Weltklassespieler mit, dessen Formkurve aber seit seinem Wechsel innerhalb der Premier League unbeständig ist. Südafrika kehrt nach 2010 auf die WM-Bühne zurück und setzt auf eine athletische, defensivstarke Spielweise, die Aussenseitern bei Turnieren oft zum Vorteil gereicht. Tschechien hat eine erfahrene Mannschaft mit solidem Mittelfeld, leidet aber unter einem chronischen Mangel an Torqualität.
Gruppe B: Kanada, Bosnien und Herzegowina, Katar, Schweiz
Kanada profitiert als Co-Gastgeber vom Heimvorteil in Toronto und Vancouver und hat unter dem neuen Trainer eine klarere taktische Struktur als bei der WM 2022. Bosnien und Herzegowina ist eine Mannschaft mit individueller Klasse, aber ohne Turniererfahrung auf WM-Ebene — das letzte und einzige Mal war 2014 in Brasilien. Katar hat seit der Heim-WM 2022 einen markanten Leistungsabfall erlebt und ist in der Gruppe der klare Aussenseiter. Die Schweiz ist mein Favorit auf Platz eins — die taktische Reife und die Qualität der Einzelspieler sprechen klar für die Nati.
Gruppe C: Brasilien, Marokko, Haiti, Schottland
Brasilien wird die Gruppe dominieren, sofern die taktische Identität unter dem aktuellen Trainer greift. Marokko ist der gefährlichste Zweite dieser Gruppe und hat realistische Chancen auf das Achtelfinale. Haiti wird die WM-Atmosphäre geniessen, aber sportlich kaum Punkte holen. Schottland reist mit der Underdog-Mentalität nach Nordamerika und könnte im Duell gegen Haiti den einzigen Sieg der Gruppenphase landen.
Gruppe D: USA, Paraguay, Australien, Türkei
Die USA werden vom Publikum und der Atmosphäre getragen und sind klarer Gruppenfavorit, auch wenn die individuelle Qualität nicht an die europäischen Top-Teams heranreicht. Paraguay kommt nach einer durchwachsenen Südamerika-Qualifikation und wird um den dritten Platz kämpfen. Australien bringt physische Präsenz und Turniererfahrung mit, aber die Offensive ist limitiert. Die Türkei sehe ich als stärkstes Team hinter den USA und als sicheren Kandidaten für das Achtelfinale.
Gruppe E: Deutschland, Curaçao, Elfenbeinküste, Ecuador
Deutschland wird diese Gruppe mit hoher Wahrscheinlichkeit als Erster abschliessen. Curaçao ist der grösste Aussenseiter des gesamten Turniers. Die Elfenbeinküste bringt als amtierender Afrikameister Qualität mit, hat aber in der internationalen Erfahrung Lücken. Ecuador setzt auf eine junge, athletische Mannschaft, die in der Höhe von Quito trainiert und physisch stark auftritt.
Gruppe F: Niederlande, Japan, Schweden, Tunesien
Die Niederlande sind der nominelle Favorit, treffen aber auf ein Japan, das bei der WM 2022 Deutschland und Spanien besiegt hat und erneut zu den gefährlichsten Aussenseitern zählt. Schweden durchlebt nach dem Rücktritt der Zlatan-Generation einen Umbruch und kommt als Aussenseiter. Tunesien setzt auf organisierte Defensive und Konterstärke — ein Stil, der bei WM-Turnieren regelmässig für Überraschungen sorgt.
Gruppe G: Belgien, Ägypten, Iran, Neuseeland
Belgien ist trotz des Endes der goldenen Generation noch immer Favorit, muss aber beweisen, dass die neue Mannschaft Turnierqualität hat. Ägypten bringt mit Mohamed Salah einen der besten Spieler der Welt mit, dessen WM-Bilanz bisher enttäuschend ist. Iran hat bei den letzten Turnieren gezeigt, dass die Mannschaft defensiv kompakt und schwer zu bezwingen ist. Neuseeland ist der klare Aussenseiter und wird realistisch betrachtet ohne Punkt nach Hause fahren.
Gruppe H: Spanien, Kap Verde, Saudi-Arabien, Uruguay
Spanien als Europameister ist klarer Favorit. Uruguay bringt mit Darwin Núñez und Federico Valverde Weltklasse mit und wird um Platz zwei kämpfen. Saudi-Arabien hat die Stärke, Aussenseiter-Siege zu liefern, aber nicht die Konstanz für ein Weiterkommen. Kap Verde wird das WM-Erlebnis geniessen und um einzelne Achtungserfolge kämpfen.
Gruppe I: Frankreich, Senegal, Irak, Norwegen
Frankreich wird diese Gruppe dominieren. Der Kampf um Platz zwei findet zwischen Senegal und Norwegen statt, wobei ich Senegal klar favorisiere. Irak kehrt nach langer Abstinenz auf die WM-Bühne zurück und hat in der asiatischen Qualifikation Kampfgeist bewiesen, aber die Qualität fehlt für ein Weiterkommen. Norwegen um Erling Haaland hat die individuelle Klasse für Überraschungen, aber die Mannschaft drumherum erreicht nicht das Niveau, das nötig wäre.
Gruppe J: Argentinien, Algerien, Österreich, Jordanien
Argentinien als Titelverteidiger wird die Gruppe kontrollieren. Österreich kämpft um Platz zwei und hat realistische Chancen, wenn das Spiel gegen Jordanien gewonnen wird. Algerien ist eine unterschätzte Mannschaft mit schnellen Flügelspielern und einer Organisation, die an die algerische Equipe von 2014 erinnert. Jordanien wird Erfahrung sammeln, aber sportlich wenig ausrichten.
Gruppe K: Portugal, DR Kongo, Usbekistan, Kolumbien
Portugal und Kolumbien werden um den Gruppensieg kämpfen — beide Mannschaften haben die Qualität, die Gruppe als Erster abzuschliessen. DR Kongo bringt athletische Stärke und Heimvorteil-Erfahrung aus dem Afrikanischen Pokal mit. Usbekistan ist der grosse Unbekannte, hat aber in der asiatischen Qualifikation bewiesen, dass die Mannschaft organisiert und schwer zu bezwingen ist.
Gruppe L: England, Kroatien, Ghana, Panama
Die härteste Gruppe des Turniers. England und Kroatien sind beide ernsthafte Titelanwärter, die sich bereits in der Vorrunde gegenseitig Punkte wegnehmen werden. Ghana hat bei WM-Turnieren eine Tradition für Überraschungen — 2010 fehlte nur ein Elfmeter zum Halbfinale. Panama kehrt nach 2018 zurück und wird kämpfen, aber gegen die Top-Teams in dieser Gruppe nicht bestehen. Die Gruppenübersicht bietet detaillierte Prognosen zu jeder Konstellation.